Abstiegskampf bis zum letzten Abpfiff

Nicht gänzlich unerwartet legt die Alte Dame zum Saisonfinale einen letzten Hauch von Suspense auf, ein Duft mit dem betörenden Odeur von kaltem Angstschweiß in der Kopfnote, abgerundet mit dem stechenden Gestank randvoller Hose in der Herznote und getragen vom Muff des abgestandenen aber anheimelnden Stallgeruch in der Basisnote.
Olfaktorisch ein Worst-case-Szenario, das aber Spannung über den Spieltag hinaus verspricht – Relegation, der Overkillthriller.
Die Chance, dass es ein echter Schocker wird, soll 0,6% betragen.

Spielkultur war das, was ich meisten vermisst habe in dieser Saison. Das kann auch Beißen, Hauen, Treten sein, kommt ganz drauf an, was man zu Verfügung hat.
An Geld hat `s nicht gefehlt.
Die Rückrunde der letzten Saison war für mich der Knackpunkt für den nachhaltigen Rückschritt der Mannschaft, spätestens ab dem 20. Spieltag hatte man beste Bedingungen frei aufzuspielen und Systeme, Varianten und Entwicklungsmöglichkeiten zu testen, vorallem bei Spielern, denen man Potenzial zurechnen durfte: Brooksy, Schulz!, Mucki, Ronny und den einen oder anderen aus der Nachwuchsabteilung.
JoLu hatte dann leider völlig die Nerven verloren, in einer Situation in der sie nicht mal angespannt werden mussten und sich komplett in seiner akribischen Arbeit festgefahren.

Das hat sich dann schmerzhaft darin geäußert, dass er dem Großteil des Kaders die Qualität für die 1. Liga abgesprochen hatte, ein Trainerfehler der nur von Meiers Kopfstoß gegen Streit übertroffen wurde, und ebenfalls die sofortige Freistellung erfordert hätte.

Perspektivtrainerwechsel

Da hatte dann zum wiederholten Male das Preetzisionsmanagement kläglich versagt, zumal das auch eine Situation war, wo einiges ausprobiert werden konnte, wenn man seinen Job ordentlich gelernt hätte und einen Freischuss für einen Perspektiv- oder Übergangstrainer hatte.
Was machte GF Sport in der Situation?
Er drängelt sich in Nibelungentreue zu seinem Cheftrainer ins Hamsterrad: Augen zu und öffentlich vorführen, wie man sich für den Verein abstrampelt.
Eine Vorgehensweise, die immerhin den Präsidenten hinreichend beeindruckt hat, so dass er wie der dritte Mann hinter dem GF steht.
Aber aus dem Hamsterrad kann man nicht über den Tellerrand gucken.

Eine Bestätigung der besonderen Art war, dass Preetz die Bewerbung als Nachwuchstrainer von Thomas Tuchel abgelehnt haben soll, die für mich ein weiteres Indiz dafür ist, dass die Hertha ein unübertroffenes Talentreservoir hat
Stattdessen wurden anscheinend ausschließlich Leute mit anrüchigem Stallgeruch engagiert, eine Klüngelei (Man kennt sich, man hilft sich.) bei der jeder vom anderen viel Bestätigung erfährt, auch für Arbeit, die nicht so ganz gelungen ist und die den Verein leider kein Schrittchen weiter bringt.
Die Hoffnung, dass Pàl Dàrdai ein echtes Trainertalent ist, das in der Umgebung in voller Üppigkeit erblühen kann, wird uns wohl durch die nächste Saison begleiten müssen.

Wanderheuschreckenplage

Die Lage ist ernst aber nicht aussichtslos, alle werden sich nach dem Klassenerhalt auf die Schultern klopfen, Trainer und Co werden mit dem GF Sport ins Hamsterrad drängeln und die gemeinsamen Entscheidungen über die Verpflichtungen der neuen Saison vornehmen. Hoffentlich bekommen sie die Entlassungen diesmal wenigsten einigermaßen auf die Reihe.
Das riecht förmlich nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner.
Das ist der Fluch, der auf der Alten Dame zurzeit lastet: In Spree-Athen hat die Kleingeistigkeit von Posemuckel nach wie vor das Regiment im Allgemeinen und im Fußball im ganz Besonderen.
Der einzige Weg sie zu überwinden, ist die Profitgier der Wanderheuschrecke.

Dieser Beitrag wurde am Donnerstag, 21. Mai 2015 um 09:09 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Allgemein, Hertha, Memmen abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen.

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3 Kommentare

  1. Wo ‘ne Wanderheuschrecke durch ist, bleibt nur verbrannte Erde zurück, sagt der Hobby-Biologe. Als Fan spürt man den Einfluss des großen Hertha-Geldgebers bislang fast nicht. Vielleicht ändert sich dieser Umstand ja bald und ganz plötzlich. Spätestens wenn Trainer, Manager und Geldgeber gemeinsam oder sogar nur noch der Geldgeber allein über Spieler-Transfers entscheidet, wäre die Zeitenwende vollzogen. Die Geschwindigkeit der globalisierten Kommerzialisierung des europäischen Fußballs liegt mir schwerer im Magen, als provinzielle Vereinsmeierei. Viel lieber über die üblichen Verdächtigen und deren Fehler lamentieren, als gesichtslose Profitmaximierer oder gar eitle Milliardäre als Klubverantwortliche ertragen zu müssen.

    Deshalb, ein erfolgreicher Pal Dardai, der Hertha, vielleicht mit einigen Berliner Talenten im Kader, bis in die Spitze der Bundesliga führt, wäre für mich so etwas wie ein Wunschszenario. Gern auch mit dem so umstrittenen Manager Michael Preetz. Die Realität wird aber aller Voraussicht anders aussehen. Viel wahrscheinlicher scheint mir, dass Hertha auf Jahre nicht den finanziellen Spielraum besitzen wird, den es braucht, um dem Abstiegsgespenst für immer Lebewohl zu sagen. Nur Vereine die Transfers ab 10 Millionen aufwärts bezahlen können, am besten gleich mehrere von dieser Sorte pro Saison, können sich vom Abstiegskampf freikaufen. Alle anderen Teams kämpfen jede Saison aufs Neue ums nackte Überleben. Jede Pleite, jedes Pech und jede Panne kann da ohne Umweg zum Direktabstieg führen.

    Kommentar: Linienrichter – 21. Mai 2015 @ 22:47

  2. Die Wanderheuschrecke aus der Finanzbranche arbeitet wohl etwas anders.
    Ich stell mir das so vor, dass da erstmal ein bisschen Fantasie in das Investment gebracht werden muss, dafür wurden hoffentlich die ganzen von Onkel Dieter verpfändeten Einnahmen zurück gekauft, um mit dem Cash-Flow ordentliche Gehälter zu bezahlen, die sich dann am Besten wieder selbst einspielen.
    Einer grauen Maus das Fell abzuziehen, kann es ja wohl nicht sein.

    Kommentar: maenne – 22. Mai 2015 @ 10:48

  3. Die graue Maus hat ein blau-weißes Fell, welches KKR gern vergoldet sähe. Und was dann? Wohl Kasse machen. Kredit zurückzahlen lassen und das Aktienpaket mit ordentlich Gewinn an den Meistbietenden verhökern. Business as usual für Finanzinvestoren. Die Phase mit der Fantasie kann von mir aus gleich im Sommer beginnen. Große Transfererlöse wie letztes Jahr können sicher nicht erzielt werden. Also muss KKR oder der neue Trikotsponsor für die Fantasie was springen lassen. Mich dürstet es nach Toren und Siegen.

    Kommentar: Linienrichter – 22. Mai 2015 @ 20:17

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